Philosophie

Wenn wir versuchen, Ziel und Aufgabe der Philosophie zu definieren, stoßen wir auf nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Diese liegen im Wesen der Philosophie selbst begründet. Andere Wissenschaften können wir durch einen spezifischen Gegenstandsbereich und bestimmte Methoden beschreiben. Dieser Versuch scheitert jedoch im Falle der Philosophie: Alles kann dem Philosophen zum Gegenstand des Philosophierens
werden.

Das Staunen, die Verwunderung steht am Anfang des Philosophierens. Dennoch meint Philosophie nicht unverbindliches Gerede über Beliebiges. Ihr geht es vielmehr um argumentative Verständigung in wechsel-
seitiger Auseinandersetzung. Philosophie entsteht und bewährt sich zugleich in Kommunikation. Die Philosophie ist demnach Argumentation, die zum einen auf die Selbstbestimmung des Menschen und zum anderen auf Verständigung untereinander abzielt.

Um in die Philosophie einzusteigen, ist es sinnvoll, sich an den Grundfragen der Philosophie, wie sie Immanuel Kant in seinen Vorlesungen zur Logik (1800) formuliert hat, zu orientieren: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Diese drei Fragen münden nach Kant in einer vierten: Was ist der Mensch? In diesen Fragen sind die Dinge angerissen, die jeden denkenden Menschen zu jeder Zeit bewegt haben und immer noch bewegen:

Die erste Frage nimmt das menschliche Erkennen in den Blick: Wie ist die Welt beschaffen? Wie muß ich sie mir vorstellen? Kann ich überhaupt etwas Sicheres über sie wissen? Die zweite Frage zielt auf das menschliche Handeln: Wie soll ich mein Leben führen? Was soll ich anstreben? Wie verhalte ich mich gegenüber meinen Mitmenschen? Die dritte Frage befasst sich mit dem menschlichen Glauben: Gibt es eine höhere Macht? Ist der Mensch frei? Gibt es eine Unsterblichkeit?

Letztlich lassen sich jedoch alle philosophischen Bemühungen in der kantischen Frage: Was ist der Mensch? zusammenfassen.